Die elektronische Zigarette – Interview mit Frau Dr. Sommer (MdEP)

Frau Dr. Renate Sommer ist seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments. Mit Schawenzl.de führte Sie ein Interview zum Thema elektronische Zigarette. Frau Dr. Sommer geht dabei auch auf eine mögliche Reglementierung der elektronischen Zigarette ein, wobei Sie ein generelles Verbot ablehnt.

Ein Interview über die elektronische Zigarette mit Frau Dr. Renate Sommer

Ein Interview über die elektronische Zigarette mit Frau Dr. Renate Sommer

Biografie: Renate Sommer ist gebürtige Bochumerin, studierte Agrarwissenschaften an der Universität Bonn und ist seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments für die CDU. In dieser Funktion sitzt Sie unter anderem im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) sowie im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI).

Die elektronische Zigarette – Das Interview mit Dr. Renate Sommer

Wie sind sie auf die elektronische Zigarette aufmerksam geworden und haben Sie selbst schon Erfahrungen mit elektrischen Zigaretten gemacht?

Sommer: Im Rahmen meiner Arbeit im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) habe ich Zuschriften von Nutzern der E-Zigarette erhalten, die befürchten, dass die E-Zigarette durch die Vorschläge der EU-Kommission in Apotheken verbannt werden könnte. Persönliche Erfahrungen mit der elektronischen Zigarette habe ich noch nicht gemacht.

Wie schätzen Sie E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten bezüglich ihres Gesundheitsrisikos für die Konsumenten ein?

Sommer: Was den reinen Rauchprozess betrifft, enthalten E-Zigaretten nachweislich weniger krebserregende Stoffe und sind daher weniger gesundheitsschädlich als “richtige” Zigaretten. Wegen des hoch konzentrierten Nikotins in der Kartusche der E-Zigarette müssen die elektronischen Zigaretten aber vorsichtig gehandhabt werden und dürfen insbesondere nicht in die Hand von Kindern gelangen. Mit Blick auf das Problem der Abhängigkeit sind E-Zigaretten sicherlich genauso gesundheitsschädigend wie normale Tabakzigaretten.

Halten Sie ein generelles Verbot der elektrischen Zigarette für sinnvoll?

Sommer: Nein. Es schlägt ja auch niemand ein totales Verbot für Tabakzigaretten vor, denn schließlich handelt es sich um legale Produkte. Erklärtes Ziel der EU-Kommission ist es nicht, den Tabakkonsum zu verbieten, sondern Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen überhaupt anzufangen.

Halten Sie eine Reglementierung der elektrischen Zigarette für sinnvoll?

Sommer: Ja. Es handelt sich um ein neuartiges Produkt, über dessen Gesundheitsauswirkungen bislang noch zu wenig bekannt ist.

Auf der Seite von Abgeordnetenwatch beschäftigen Sie sich unter anderem mit Fragen zur elektrischen Zigarette. Wie ist dort die allgemeine Stimmung zu diesem Thema und beschäftigen Sie sich auch anderweitig mit dem Thema?

Sommer: Die Zuschriften, die ich erhalten habe, kamen von Rauchern, die auf die E-Zigarette umgestiegen sind. Diese Verbraucher verstehen nicht, weshalb ein Produkt, das generell weniger gesundheitsschädigend ist als die gewöhnliche Tabakzigarette, strikter gehandhabt werden soll als andere Produkte.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für das Vorgehen gegen die elektrische Zigarette bzw. für die geplante Revision der EU-Tabakrichtlinie und der damit verbundenen Einschränkungen für den Handel mit E-Zigaretten?

Sommer: Laut Aussage der EU-Kommission ist es das vorrangige Ziel, Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen. Da die E-Zigarette durch das Fehlen der krebserregenden Substanzen aus dem Verbrennungsprozess als weniger gesundheitsgefährdend gilt und aufgrund der geringeren Gefahr für Passivraucher “salonfähiger” ist, fürchtet man, dass die E-Zigarette den Einstieg in die Nikotinabhängigkeit bei Jugendlichen erleichtert.

Sind Sie der Meinung dass die Tabaklobby einen Einfluss auf die Revision der EU-Tabakrichtlinie ausübt bzw. diese maßgeblich beeinflusst, oder sehen Sie den Fall der E-Zigarette gar als ein Paradebeispiel für Lobbyismus an?

Sommer: Natürlich versuchen Lobbyisten, auch bei dieser Revision Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess zu nehmen. Das gilt sowohl für die Tabaklobby als auch für die Lobby der Nicht-Regierungsorganisationen aus dem Gesundheitsbereich, Unsere Aufgabe ist es, alle Argumente anzuhören und dann eine ausgewogenen Entscheidung zu fällen. Inwieweit die E-Mails von sogenannten “Dampfern” von Herstellern der E-Zigaretten angeregt wurden, kann ich nicht beurteilen. Aufgrund der Masse an E-Mails ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine Kampagne handelt.

Durch die Verbreitung der elektrischen Zigarette entgehen dem Staat Einnahmen in Form von Tabaksteuer. Sehen Sie darin einen Grund für das Vorgehen gegen die e-Zigarette?

Sommer: Nein. Niemand verbietet den Mitgliedstaaten, die Steuer für dieses Produkt bei Bedarf anzupassen.

Welche Empfehlungen würden Sie den Entscheidungsträgern im Europäischen Parlament und in der Bundesrepublik bzw. den Ländern im Hinblick auf den Umgang mit der elektrischen Zigarette geben?

Sommer: Einen ausgewogenen Ansatz zu wählen. Die Vorschriften in der Richtlinie für Zigarillos und Zigarren sind weniger streng als für Zigaretten, weil erstgenannte Produkte vorwiegend von älteren, meist männlichen Verbrauchern nachgefragt werden und es das Hauptziel ist, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Noch gibt es keine Indizien dafür, dass die E-Zigarette weite Teile der jungen Bevölkerungsgruppe in der EU anspricht. Solange es keine überzeugenden Studien gibt, die einen solchen Trend nachweisen, sollte es älteren Rauchern nicht unverhältnismäßig schwer gemacht werden, ein Produkt zu erwerben, das zur Entwöhnung geeignet und nachweislich weniger gesundheitsschädigend ist.

Was ist Ihre größte Sorge, wenn es um elektrische Zigaretten geht?

Sommer: Das wir in die absurde Situation gelangen, dass Verbraucher sich wegen des unverhältnismäßig erschwerten Zugangs zur E-Zigarette wieder der gewöhnlichen und gesundheitsschädlicheren Tabakzigarette zuwenden.

Wie sehen Sie die Zukunft der E-Zigarette? Wird es zu einem generellen Verbot oder einer Einschränkung des E-Rauchens (Dampfens) kommen oder werden die politischen Versuche der Reglementierung/des Verbots im Sande verlaufen?

Sommer: Ein generelles Verbot wird es wahrscheinlich nicht geben, das ginge ja über den Kommissionsvorschlag hinaus. Es wird aber darüber diskutiert, ob das Produkt einer Apotheken- oder sogar Rezeptpflicht unterworfen werden sollte. Das halte ich für unrealistisch. Allerdings bin ich durchaus für eine gewisse Reglementierung. Wie sich das Europäische Parlament letztendlich zur E-Zigarette positionieren wird, ist noch nicht absehbar.

Welche Empfehlungen würden Sie den e-Zigarettenhändlern und Dampfern im Hinblick auf das weitere Vorgehen gegen ein Verbot (bzw. eine Reglementierung der E-Zigarette) geben?

Somnmer: Mit konstruktiven Argumenten angemessene Regelungen für dieses Produkt zu unterstützen.

Das Blog-Team von schawenzl.de möchte sich an dieser Stelle für das Interview mit Frau Dr. Sommer bedanken und hofft, dass noch weitere Politiker sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Offener Brief zum Interview mit Frau Dr. Sommer
Unseren Blog-Leser Zillatron hat das Interview dazu veranlasst, einen offenen Brief an Frau Dr. Sommer zu schreiben. Wir unterstützen diesen Brief und sind schon sehr auf die Antwort gespannt… Zum Brief geht’s hier:   Offener Brief an Frau Dr. Sommer (MdEP)

23 Gedanken zu „Die elektronische Zigarette – Interview mit Frau Dr. Sommer (MdEP)

  1. Dampfwolke

    Also ich finde das Interview nicht schlecht, aber muss schon sagen, dass Politiker irgendwie die Gabe haben, Antworten sehr sehr schwammig zu beantworten.
    Die Antwort:
    “Inwieweit die E-Mails von sogenannten “Dampfern” von Herstellern der E-Zigaretten angeregt wurden, kann ich nicht beurteilen. Aufgrund der Masse an E-Mails ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine Kampagne handelt.”
    finde ich ehrlich gesagt schon ein bisschen frech und eine Unterstellung!

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  2. Klaus

    Es ist keine Händler gesteuerte Kampagne, das wird anscheinend gerne benutzt um Bürgersorgen klein zu reden. Fakt ist, das sich die Dampfer aus der Not heraus organisieren um den Regulierungswahn entgegen zu treten.

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  3. wittmann günter

    Eventuell ist die dame ebenfalls an einer “kampagne” beteiligt….und zwar an der der dampfgegner, die einem mündigen bürger gerne in seine freiheitlichen rechte eingreifen möchten.

    Sie hat wohl sehr wenig ahnung von der materie, sonst würde sie nicht solche halbwahrheiten im interview erwähnen:

    “…und dürfen insbesondere nicht in die Hand von Kindern gelangen. ”
    genauso wenig wie tabkwaren…sind die reglementiert ? Warum nicht ?

    “Mit Blick auf das Problem der Abhängigkeit sind E-Zigaretten sicherlich genauso gesundheitsschädigend wie normale Tabakzigaretten.”
    Die weniger gesundheitsschädliche wirkung von e-zigaretten ist bereits durch wissentschaftl. nachweise belegbar. Der konsum von lediglich nikotin hat ein wesentlicher geringeres suchtpotential als der einer tabakzigarette.

    “Es handelt sich um ein neuartiges Produkt, über dessen Gesundheitsauswirkungen bislang noch zu wenig bekannt ist.”
    Es ist sehr wohl sehr viel mittlerweile bekannt…nur wenn man wie die dame absichtlich wegguckt und fakten ignoriert kann man so scheinheilig argumentieren.

    “Unsere Aufgabe ist es, alle Argumente anzuhören und dann eine ausgewogenen Entscheidung zu fällen.”
    Eben diese ausgewogene entscheidung bezweifle ich stark. Wieso sonst ignoriert die dame sonst wissenschaftliche fakten ?

    “Niemand verbietet den Mitgliedstaaten, die Steuer für dieses Produkt bei Bedarf anzupassen.”
    Was soll dieses rumgeeiere ? Da die liquidss nichts mit tabak zu tun haben, kann auch keine tabaksteuer erhoben werden. Und die lediglich anfallende mwst. ist unserem gierigen staat nicht genug…

    “Sommer: Das wir in die absurde Situation gelangen, dass Verbraucher sich wegen des unverhältnismäßig erschwerten Zugangs zur E-Zigarette wieder der gewöhnlichen und gesundheitsschädlicheren Tabakzigarette zuwenden.”
    Scheinheilig hoch 5 ! Sie sollte sich wirklich schämen ! Pfui !

    Frau sommer, wir sehen uns im september bei den wahlen wieder !

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  4. Winfried Maschke

    Schön, dass dies auch mal aus dem Mund einer Politikerin zu hören ist:

    “Natürlich versuchen Lobbyisten, auch bei dieser Revision Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess zu nehmen. Das gilt sowohl für die Tabaklobby als auch für die Lobby der Nicht-Regierungsorganisationen aus dem Gesundheitsbereich

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  5. Soraya

    Ich finde es ist ein Unverschämtheit zu sagen die Mails der Dampfer wären eine “Kampagne, von Händlern organisiert!!!” Das ist eine Unterstellung!
    Wir versuchen doch nur verzweifelt unsere E-Zigarette zu retten, um nicht wieder zur Tabakzigarette zurückgreifen zu müssen!!!! Es ist doch das Einzige das wir machen können, unsere Politiker anzuschreiben, um gehört zu werden!!!!
    Die “Masse der Mails” zeigt lediglich wie viele Raucher den Umstieg zur E-Zigarette bereits mit Erfolg geschafft haben, und sich diese Chance auf ein gesünderes Leben nicht wieder wegnehmen lassen wollen!!!!

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  6. Achim

    Vielen Dank für dieses vollkommen überflüssige Interview. Warum geht ihr nicht auf die unsachlichen Antworten ein ? Warum widerlegt ihr die nicht mit vorhandenen Fakten ? Warum stellt ihr nicht mal die wirklich wichtigen Fragen ?
    Wie groß ist das Gefährdungspotential von niedrigdosierten Nikotinliquids für gesunde Erwachsene ???
    Warum werden seit Ende der 70 Jahre alle rauchlosen Zigarettenersatzprodukte verboten oder in die Apotheken verbannt ???
    Haben die bisherigen Verbote jemals einen nachweisbaren Erfolg beim Thema Jugendschutz erreicht ???

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  7. Schawenzl Artikelautor

    @Achim: Wenn das Interview für dich überflüssig ist, können wir dies leider nicht ändern, wir werden dennoch versuchen Frau Dr. Sommer zu einem weiteren Interview zu bewegen, in dem wir die von dir angesprochenen Fragen aufgreifen werden.

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      1. Zillatron

        Das sollte vermutlich ein Kommentar zu der Löschaktion auf Abgeordnetenwatch sein, um die es bei dem Eintrag in Rursus’ Blog geht, den ich in dem Beitrag drüber verlinkt hatte.

      2. Schawenzl Artikelautor

        Ach so, ich dachte schon ich habe einen Kommentar übersehen… ;)

  8. wittmann günter/zwinkl

    Sehe ich auch so wie schawenzl !
    Wäre klasse, wenn ein weiteres interview möglich wäre.
    Allerdings bezweifle ich, daß sie sich das nochmal traut…
    Entweder sie weiß genau, daß das blödsinn war, was sie da von sich gab oder
    sie will sich gar kein eigenes urteil bilden ( die argumentation kennt man ja mittlerweile zur genüge…) oder
    sie ist vllt. selbst teil einer kampagne. Und zwar einer der von lobbyisten beinflußten…

    Bin gespannt, ob und wie das zweite unterview ausfallen wird…

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  9. Milo

    Danke für das interessante Interview. Obwohl ich sagen muss, dass die Argumentation von Frau Sommer teilweise so keinen großen Sinn macht… aber naja. Ich hoffe, dass die geplante Regulierung so nicht durchgeht.

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  10. Zillatron

    Ich habe mal einen offenen Brief an die Frau Dr. Sommer geschrieben und in drei Foren veröffentlicht (jeweils eine Kopie):
    ERF
    Dampfertreff
    Pronik

    Ich hoffe, damit wenigstens den Kampagnenverdacht ausräumen zu können.

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    1. Schawenzl Artikelautor

      Hallo Zillatron,

      wir würden deinen offenen Brief an Frau Sommer auch gerne auf unserer Seite veröffentlichen, wenn das für dich in Ordnung ist. Auch die eventl. Antwort darauf würde uns sehr interessieren…

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      1. Schawenzl Artikelautor

        Super, Danke! habe das Interview gerade mit einem Hinweis ergänzt. Wäre super, wenn du uns eine eventuelle Antwort zukommen lassen könntest.

  11. Markus

    Immer wieder die Leier mit dem Jugendschutz.
    Komisch – auf Stammtischen sehe ich irgendwie immer nur “alte” Dampfer.
    Ich habe eher das Gefühl, dass dampfen bei der Jugend als uncool angesehen wird und eher ein Ding der älteren Generation zu sein scheint. Wirkliche Untersuchungen zum Alter der Konsumenten scheint es doch gar nicht zu geben.
    Es scheinen leider alle Anstrengungen umsonst. Die werden über unseren Kopf hinweg schon alles kaputtregulieren. Die entmündigung erwachsener Menschen geht immer weiter.
    Armes Deutschland. Es macht keinen Spaß mehr hier zu sein. Leider ist es anderswo aber auch nicht besser.

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  12. Thomas

    Es werden aber immer mehr Jugendliche zur e-Zigarette greifen, denn die Möglichkeit das man die Kartusche auch mit anderen Substanzen füllen kann kommt gut an.

    Antworten
    1. Winfried Maschke

      @Thomas:
      Welche “andere Substanzen” meinst Du denn?
      Zumindest Cannabis geht in der “herkömmlichen” E-Zigarette – und von der ist hier die Rede – nicht. Außerdem habe ich das früher immer zusammen mit dem einfach erhältlichen Tabak und Zigarettenpapier in die Tüte gedreht ;)

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    2. Zillatron

      Das zeigt, wie gut die Negativ-Propaganda funktioniert.

      Offenbar haben Sie von der Funktionsweise genauso wenig Ahnung wie Herr Florenz und andere sogenannte “Experten” und glauben alles, was in diesen Schmierblättchen steht.

      Also nochmal: Man kann mit einer E-Zigarette kein (Was-auch-immer-) Öl verdampfen. Das funktioniert nicht. Dabei geht nur der Verdampfer kaputt (verklebt).

      Es ist ebenfalls totaler Schwachsinn, Viagra auflösen und dampfen zu wollen. Vermutlich lös es sich nichtmal in PG. Ein Glas Wasser zum Runterspülen ist viel einfacher und funktioniert wenigstens.

      Auch Gläser sind bei Jugendlichen sicher sehr beliebt … was man da alles reinfüllen kann …

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